Ecuador Freiwilligendienst in Schulen

Jennifer Krysak, Abiturientin, engagiert sich als Freiwillige für das Weltwärts-Deutschland-Programm für Schüler in Ecuador. Die ABC Stiftung für Lateinamerika hat sie mit 300 Euro unterstützt, um an diesem Projekt teilzunehmen.

Erster Erfahrungsbericht Freiwilligendienst in Ecuador:

"Ich bin Jennifer, 19 Jahre alt und habe mich dazu entschieden nach meinem Abitur ein Jahr in Ecuador zu verbringen, um hier einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Seit etwas mehr als drei Monaten lebe und arbeite ich nun bereits in einem kleinen indigenen Dorf in den Anden mit dem Namen Guayama San Pedro. Die Lebensrealität der Menschen ist total anders als ich es aus Deutschland gewohnt war. Die Verhältnisse hier sind sehr ärmlich und die meisten Leute arbeiten in der Landwirtschaft. Sie besitzen Tiere wie Kühe, Schweine, Schafe, Hühner, Hasen und Meerschweinchen und ein Stück Land zum Bewirtschaften. Die nächste Stadt ist ganze 3 Stunden mit dem Bus entfernt, sodass man immer sehr viel Zeit benötigt, um z.B. einkaufen zu gehen. Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber mittlerweile habe ich mich an das Dorfleben gewöhnt, auch wenn es schwierig ist mit den Indigenen in Kontakt zu kommen, da sie sehr zurückhaktend sind.
Ich arbeite hier an zwei verschiedenen Schulen, um Englischunterricht in der 2.-10. Klasse zu geben. Das Englischniveau der Schüler ist sehr niedrig, da Englisch nach der indigenen Sprache Kichwa und der Landessprache Spanisch bereits ihre dritte Sprache ist und auch die anderen Lehrer kein Englisch sprechen bzw. unterrichten können. Deshalb gehört zu meinen Aufgaben den Unterricht selbst vorzubereiten, durchzuführen und auch die Trimesterprüfungen zu entwerfen und zu bewerten. Ich habe also viele Freiheiten und kann eigene Ideen umsetzen. Dabei geht es in erster Linie überhaupt nicht darum perfektes Englisch zu lernen, sondern eher zu zeigen, dass die Welt so viel größer ist als ihr Dorf und viele Möglichkeiten für ihre eigene (berufliche) Zukunft zu bieten hat. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht mir großen Spaß, denn viele sind motiviert im Unterricht dabei und geben einem viel zurück.
Seit ca einem Monat habe ich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen das Projekt "Girlsclub" für die Mädels der 7.-10. Klasse gestartet, mit denen wir uns einmal pro Woche nach dem Unterricht treffen, um verschiedene Ideen zu realisieren und Themen zu besprechen. Vieles wird hier bei den indigenen Menschen nämlich als Tabuthema behandelt, sodass wir einen Wohlfühlraum für all ihre Fragen schaffen und das Frauenbild stärken wollen. Projekte, die wir dabei gerne umsetzen möchten und damit auch schon teilweise begonnen haben, sind z. B. Bastelaktionen, Aufklärung über die Menstruation und den weiblichen Zyklus, Gestaltung einer Letterbox für anonyme Fragen, Anbringung eines Spenders mit Periodenprodukten im Mädchenklo und die Organisation eines Ausflugs nach Latacunga.
Neben dem andinen Dorf, in dem ich hier lebe, habe ich außerdem schon die Hauptstadt Quito, die Weltkulturerbestadt Cuenca, Otavalo mit dem größten Markt für Kunsthandwerk in ganz Südamerika, Riobamba mit dem schneebedeckten Vulkan Chimborazo und die Quilotoa Lagune in der Nähe des Dorfes besucht.
Anfang Dezember fand außerdem der sogenannte "Weltwärts-Tag" statt, zu dem die deutsche Botschaft alle weltwärts-Freiwilligen in Ecuador nach Quito zu einem Austausch und Workshops einlud.
Diese ersten drei Monate gingen wie im Flug vorbei und ich freue mich total auf die verbleibende Zeit hier in Ecuador."